Die Schule fördert einerseits die persönliche Konkurrenz untereinander, versucht andererseits aber auch, Menschen zu gemeinschaftlichem Handeln zu motivieren. Letztendlich geht es im Leben weder um das Eine noch um das Andere: Wichtig ist vielmehr, im rechten Moment die Eigenschaften einzusetzen, die am Nützlichsten sind.
Es dürfte klar sein, dass es unmöglich ist, den Wettbewerb um die „Klassenschönste“ zu ignorieren – er wird unter den beteiligten Mädchen einerseits selbst ausgetragen, andererseits legen auch die Jungen der Klasse Maßstäbe fest, anhand derer sie die Mädchen der Klasse beurteilen – und Schönheit ist dabei eine wichtige Komponente. Wer hier mit Gleichmacherei kommt, etwa nach dem Motto „wird sind alle schön“, der ignoriert als Pädagoge, dass im Geheimen dennoch ausgewählt und bewertet wird.
In vielen Schulklassen gibt es durchaus mehrerer Mädchen, die als „Klassenschönste“ in Frage kommen, und ob und wie sie untereinander konkurrieren, hängt so gut wie ausschließlich von ihren Persönlichkeiten und Entwicklungen ab. Diejenigen, die immer schon schön waren und es auch wissen, lassen sich kaum von Konkurrenz beeindrucken, während die Mädchen, die erst während der Pubertät zu weiblichen Schönheiten aufblühen, erst einmal damit umgehen lernen müssen. Bei ihnen ist wesentlich wahrscheinlicher, dass sie das neu gewonnene Terrain verteidigen wollen. Daraus können die berühmten „Zickenkriege“ entstehen oder auch die weniger bekannte „Stutenbissigkeit“, bei der es zumeist nicht ausschließlich um die Schönheit, sondern zudem um die Führerschaft in der Gruppe der Frauen geht.
Wie bereits eine oberflächliche Analyse zeigt, wird der „Klassenschönsten“ der Erfolg oft deswegen nicht gegönnt, weil sie ihn ohne erkennbare eigene Leistung erworben hat. Die ist insbesondere in Gymnasien der Fall, in denen lediglich skalierbare Leistungen zählen, während Erfolge, die ohne eigene Leistung erzielt werden, zumeist gar nicht honoriert werden. Die Klassenschönste muss also damit rechnen, wegen des angeblichen „unverdienten“ Erfolgs verachtet zu werden.