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Sind die Klassenschönsten scheu?

Mittwoch, 6. Mai 2009 07:20 schönheiten Gebhard Roese Kommentare (0)

Gestern hatte ich Gelegenheit, das Projekt „die Klassenschönste“ zu diskutieren – und dabei wurde von meiner Gesprächspartnerin der Verdacht geäußert, dass sich die Klassenschönsten möglicherweise gar nicht melden würden. „Du, die haben bestimmt eher anderer beschäftigt“, hieß es, und meine Gesprächspartnerin meinte damit diesmal nicht die Jungs, sondern andere Mädchen der Klasse, die einen geheimen Hass auf die Klassenschönste hegten – „die schreiben sicher mehr über ihre Konkurrenz mit der Klassenschönsten als diese jemals über sich selbst schreiben würde“, war die Schlussfolgerung.

Für unser Projekt wäre deshalb auch interessant, was andere über die Klassenschönste sagen würden – und uns hier wäre jeder Weg recht, der uns auf die Spur der Klassenschönsten Ihrer ehemaligen Klasse führen würde. Wie wäre es eigentlich, wenn Sie dies einmal bei einem Klassentreffen zur Sprache brächten?

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Wie die Klassenschönste wirkt

Dienstag, 5. Mai 2009 08:00 auswirkungen Gebhard Roese Kommentare (0)

Das Besondere an der Klassenschönsten im Gegensatz zu allen anderen Phänomenen in Schulklassen besteht in der Tatsache, dass genau dieses Mädchen für Veränderungen sorgen wird, die völlig ungeplant waren und die dennoch oft tief greifende Auswirkungen auf die kybernetischen Prozesse haben, die innerhalb der Klassengemeinschaft wirksam werden. Das Aufblühen ihrer Schönheit und die Bestätigung, die sie dafür bekommt, verändert das Verhalten der Klassenschönsten gegenüber den Jungen, aber auch gegenüber den Mädchen. Sie wird mit neuen Qualitäten von Ablehnung und Zuneigung konfrontiert, auf die sie sich erst einstellen muss.

Es ist ein Trugschluss, anzunehmen, dass die Klassenschönste die Lehrerschaft, insbesondere deren männlichen Teil, unbeeindruckt lässt, denn auch hier werden psychokybernetische Prozesse wirksam. Die Watzlawicksche Theorie der Kommunikation besagt ja, dass man nicht „nicht kommunizieren“ kann. Versucht also eine männliche Lehrkraft, die Wirkung der Schönheit krampfhaft zu ignorieren, so entstehen allein daraus Kommunikationsprozesse, die unterschwellig ablaufen und zu Fehlreaktionen führen können. Zum besseren Verständnis: „ich benote sie besser, weil sie schön ist“ entspringt dem gleichen Muster wie „ich benote sie schlechter, um mir nicht anmerken zu lassen, wie ihre Schönheit auf mich wirkt“.

Ob die Klassenschönste eine Bedeutung erlangt, die über die Klasse hinaus geht, ist stets unsicher. In der Regel wirkt sie auf Schüler der nächsthöheren Klassen noch weitaus stärker als auf die unmittelbaren Mitschüler, was abermals Auswirkungen auf die sozialen Prozesse innerhalb der Schule haben kann – beim Austritt aus der Schulzeit sind diese dann aber weitgehend verpufft.

Wirklich interessant wird die Wirkung der Klassenschönste deshalb erst, wenn sie über die Schule hinaus ins öffentliche Leben ausstrahlt – und dabei ist es mit der Schönheit alleine nicht getan. Was musste also noch dazu kommen? Welche Auswirkungen hatte es auf die Berufs- und Partnerwahl, einmal die Klassenschönste gewesen zu sein? Konnte man aus den ersten Erfahrungen damit, einmal die Schönste gewesen zu sein, etwas lernen?

Wir hoffen, mit unserem Projekt eines Tages Antworten darauf zu finden.

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Konkurrenz der Klassenschönsten

Montag, 4. Mai 2009 10:10 auswirkungen Gebhard Roese Kommentare (0)

Die Schule fördert einerseits die persönliche Konkurrenz untereinander, versucht andererseits aber auch, Menschen zu gemeinschaftlichem Handeln zu motivieren. Letztendlich geht es im Leben weder um das Eine noch um das Andere: Wichtig ist vielmehr, im rechten Moment die Eigenschaften einzusetzen, die am Nützlichsten sind.

Es dürfte klar sein, dass es unmöglich ist, den Wettbewerb um die „Klassenschönste“ zu ignorieren – er wird unter den beteiligten Mädchen einerseits selbst ausgetragen, andererseits legen auch die Jungen der Klasse Maßstäbe fest, anhand derer sie die Mädchen der Klasse beurteilen – und Schönheit ist dabei eine wichtige Komponente. Wer hier mit Gleichmacherei kommt, etwa nach dem Motto „wird sind alle schön“, der ignoriert als Pädagoge, dass im Geheimen dennoch ausgewählt und bewertet wird.

In vielen Schulklassen gibt es durchaus mehrerer Mädchen, die als „Klassenschönste“ in Frage kommen, und ob und wie sie untereinander konkurrieren, hängt so gut wie ausschließlich von ihren Persönlichkeiten und Entwicklungen ab. Diejenigen, die immer schon schön waren und es auch wissen, lassen sich kaum von Konkurrenz beeindrucken, während die Mädchen, die erst während der Pubertät zu weiblichen Schönheiten aufblühen, erst einmal damit umgehen lernen müssen. Bei ihnen ist wesentlich wahrscheinlicher, dass sie das neu gewonnene Terrain verteidigen wollen. Daraus können die berühmten „Zickenkriege“ entstehen oder auch die weniger bekannte „Stutenbissigkeit“, bei der es zumeist nicht ausschließlich um die Schönheit, sondern zudem um die Führerschaft in der Gruppe der Frauen geht.

Wie bereits eine oberflächliche Analyse zeigt, wird der „Klassenschönsten“ der Erfolg oft deswegen nicht gegönnt, weil sie ihn ohne erkennbare eigene Leistung erworben hat. Die ist insbesondere in Gymnasien der Fall, in denen lediglich skalierbare Leistungen zählen, während Erfolge, die ohne eigene Leistung erzielt werden, zumeist gar nicht honoriert werden. Die Klassenschönste muss also damit rechnen, wegen des angeblichen „unverdienten“ Erfolgs verachtet zu werden.
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Das Projekt Klassenschönste

Donnerstag, 30. April 2009 17:38 projekt Gebhard Roese Kommentare (0)

Nichts ist in Deutschland schlechter dokumentiert als die persönliche Welt der Menschen in den 1950er und 1960er Jahren – und insbesondere auf die Jugend jener Jahre fiel immer nur ein fahles Licht, bis sie sich gegen 1968 gewaltsam den Weg in das Bewusstsein der Mächtigen bahnte.

Anhand unseres Projekts „Klassenschönste“ wollen wir die 1950er, 1960er und 1970er Jahre ein wenig aufarbeiten, und zwar im Sinne der Menschen, nicht im Dienste einer Soziologie, die von oben auf uns herabblickt wie ein Insektenforscher auf einen Ameisenhaufen. Damit wird dies subjektive Sicht beibehalten, haben wir uns für eine einzige Person in den Schulen entscheiden, die wir befragen wollen: die Klassenschönste. Die Aspekte unseres Vorhabens sind vielfältig: Sie reichen von der allgemeinen Situation der Jugend in Schule und Ausbildung über die Einflüsse der „Schönheit“ auf Erfolg und Musserfolg im späteren Leben bis hin zu Aspekten der Jugendsexualität im Rahmen der Koedukation.

Wen wir als „Klassenschönste“ suchen

Wir suchen Frauen der Einschulungsjahrgänge 1950 bis 1980, also Personen, die heute zwischen etwa 65 und 35 Jahre alt sind. Wir benötigen diesen Abstand, um eine gesicherte Aussage über den Nutzen der „Schönheit“ in der Schule für das spätere Leben zu bekommen. Es ist nicht nötig, dass Ihre Klasse eine Abiturklasse war, gefragt sind:

- Hauptschüler
- Realschüler
- Gymnasiasten, die in Klasse 10 die Schule verlassen haben
- Abiturenten
- Berufsschüler

Wir suchen zudem eine sehr kleine Vergleichsgruppe von Frauen, die im Moment gerade das Abitur machen oder eine Berufsschule abschließen. Sie müssen über 18 Jahre alt sein, um teilnehmen zu können.

Was wir fragen werden

Wir werden mit allen Teilnehmerinnen ein 10-minütiges Telefoninterview führen, indem einige wichtige Fragen zur Person gestellt werden. Erscheint uns die Lebensgeschichte besonders interessant, so werden wir die Personen um ein weiteres Gespräch bitten, ansonsten gehen die Daten nur anonymisiert in die Statistiken ein, die wir erstellen werden.

Wir erwarten, dass wir das Projekt bis Mitte 2010 angeschlossen haben. Alle Teilnehmer erhalten dann die ausführlichen Ergebnisse. Wir würden gerne mit etwa 30 Teilnehmerinnen ausführliche Gespräche führen, die dann als zeitgeschichtliche Dokumente veröffentlicht werden sollen.

Hier werden wir Sie ständig über den Verlauf des Projekts informieren und wir werden Fragen beantworten, die an uns gestellt werden.

Für Sie persönlich ist mit der Teilnahme kein Risiko verbunden – Ihre Daten werden auf Wunsch anonymisiert. Sie können aber auf Wunsch auch mit Ihrem vollen Namen und einem Foto an die Öffentlichkeit treten – es wäre sehr nett, wenn dies einige von Ihnen auch wirklich tun würden.

Bitte wenden Sie sich per Email an: oder die im Impressum angegebene Adresse.
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